
Es ist Samstagmorgen, 7 Uhr. Während andere noch schlafen, schlüpfe ich in meine mud boots, schnappe mir meinen Kaffee und fahre in „meinen“ Stall – obwohl ich (noch) gar kein eigenes Pferd habe.
Warum? Weil ich mich gerade mitten in meiner Phase befinde, in der ich lerne, wie man ein Pferd vorbereiten kann, ohne ein eigenes Pferd zu besitzen.
Diese Übergangszeit ist goldwert – und vielleicht sogar wichtiger als der Kauf selbst.
🐴 Meine Geschichte – wie ein kleines weißes Shetty mir Geduld beigebracht hat
Bevor ich Reitbeteiligung, Pflegepferde und Kurse hatte, gab es nach der Schule diesen einen Ort, an den ich immer wieder zurückkehrte: das Paddock eines weißen Shetlandponys.
Es war kein einfaches Pony.
Zickig, etwas bissig, schnell überfordert – und sehr schnell, wenn es darum ging, auszubüxen.
Viele hatten Angst vor ihm oder ignorierten es.
Aber ich?
Ich fühlte mich seltsam zu Hause bei diesem kleinen Chaoten.
Ich habe mich nicht sofort draufgesetzt, nicht gedrückt, nichts erzwungen.
Ich habe:
- zugehört
- beobachtet
- Grenzen respektiert
- Geduld gezeigt
- Zeit investiert, statt Druck
Und irgendwann passierte das, was ich heute noch als eine meiner ersten „Pferdemomente“ bezeichne:
Das Pony wurde ruhiger.
Bei mir.
Nicht bei allen – aber bei mir.
Wir haben zusammen im Matsch gestanden, Kübel geschleppt, Fell entwirrt, kleine Auszeiten geteilt.
Dieser kleine weiße Wirbelwind hat mich gelehrt, dass Vertrauen nicht mit Können beginnt, sondern mit Zeit.
Und genau das ist die Basis dafür, ein eigenes Pferd vorzubereiten, bevor es existiert.

🐎 Praxis schlägt alles – so wirst du pferdefit ohne eigenes Pferd
Du kannst unglaublich viel tun, bevor dein Pferd kommt.
Reitbeteiligung (RB)
Das ist mein persönlicher Gamechanger:
2 Tage Stall, 100 € im Monat, Alltag inklusive.
Hier lernst du alles, was später selbstverständlich sein muss.
Pflegepferd
Perfekt, wenn du noch nicht viel Erfahrung hast.
Putzen, führen, spazierengehen – Basics, die oft unterschätzt werden.
Stall-Volunteering
Viele Ställe freuen sich über Hilfe beim Füttern, Abäppeln oder beim Führen von Pferden.
Du bekommst dafür Wissen, manchmal sogar Unterricht.
Reitstunden weiterführen
Viele denken fälschlicherweise, dass Reitschule „vor“ dem Kauf wichtig ist.
Nein:
Reitschule ist das Fundament, während und nach dem Kauf.
📘 Wissen sammeln – Bücher, Kurse, Videos
Ich hab inzwischen eine kleine Pferdebibliothek und Playlist:
- Grundlagen der Pferdehaltung
- Pferdegesundheit A–Z
- Longieren, Bodenarbeit und Körpersprache
- Kurse zu Stallformen, Fütterung oder Trainingsmethoden
Fun Fact:
Ich habe erst durch diese Kurse gelernt, dass man eine Bandage immer nach vorne wickelt – davor hab ich’s falsch gemacht. 😭

🌿 Netzwerken – dein zukünftiges Hilfe-Team
Ein eigenes Pferd ohne Netzwerk ist wie ein Haus ohne Fundament.
Du brauchst:
- Trainerin/Trainer
- Hufschmied
- Tierärztin / Tierarzt
- Sattler
- Stallbesitzer
Ich habe meine Reitlehrerin schon „reserviert“ für mein zukünftiges Pferd.
Sie hat gelacht und gesagt: „Ich freu mich drauf.“
💪 Körperliche Vorbereitung – Fit für dein Pferd
Reiten ist Sport. Punkt.
Ich mache:
- Yoga – für Balance
- leichte Mobilität – für Hüfte & Rücken
- Spaziergänge – fürs Mindset und Ausdauer
WTF-Fact:
Eine Stunde Reiten verbrennt ungefähr so viele Kalorien wie zügiges Radfahren.
🧠 Mentale Vorbereitung – Erwartungen managen
Kein eigenes Pferd zu haben fühlt sich manchmal an wie Vorfreude, die in den Fingerspitzen kribbelt.
Aber realistisch bleiben hilft:
- Es werden Rückschläge kommen
- Man wird Fehler machen
- Nicht alles ist planbar
- Und manche Pferde zeigen dir Themen, die du nicht kommen siehst
Das ist okay.
Diese Phase ist nicht „Warten“.
Sie ist Training.
Für dich.
Für später.

❓ FAQ – kurz, ehrlich & hilfreich
Wie lange sollte ich Erfahrung sammeln?
Mind. 1–2 Jahre intensiver Kontakt sind optimal.
Je mehr Alltag, desto besser.
Wie finde ich eine RB als Anfängerin?
Ehrlich schreiben, was du kannst.
Viele suchen auch jemanden fürs Spazierengehen – perfekte Einstiegschance.
Was tun, wenn man keinen Stall findet?
Direkt hingehen.
Stallmenschen erkennen Motivation sofort.
Und manchmal reicht ein „Kann ich mal helfen?“.
🫶 Fazit – Du bist schon eine Pferdemama, bevor ein Pferd existiert
Diese Vorbereitung macht dich stärker, weicher, geduldiger, realistischer – und liebevoller.
Man wird nicht plötzlich Pferdebesitzerin.
Man wächst hinein.
Mit jedem Stallmorgen, jedem Putzkorb, jedem kleinen Lernmoment.
Du bereitest dich nicht nur auf dein Pferd vor.
Du bereitest dich selbst vor.
Und wenn dein zukünftiges Pferd kommt, wirst du nicht nervös sein.
Du wirst bereit sein.

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